Traumaedukation
Die Traumaedukation hilft Menschen mit Traumata und ihren Symptomen sowie getriggerten Reaktionen besser fertig zu werden und sie genauso gut zu verstehen.
Die Reaktionen in unserem Gehirn verstehen lernen:
Befinden wir uns zum Beispiel in einer Situation, die wir als bedrohlich empfinden, veranlasst die Amygdala unser Gehirn dazu, das Sympathische Nervensystem zu aktivieren, wodurch eine Stressreaktion, voll mit Adrenalin, initiiert wird, die unseren Körper auf eine Flucht oder einen Kampf vorbereitet. Das Adrenalin erhöht gleichzeitig die Herz- und Atemfrequenz, das heißt, unsere Muskeln werden mit mehr Sauerstoff versorgt und andere Körpersysteme, die weniger überlebenswichtig sind, werden abgeschaltet, dies ist u.a. der Präfontalkortex (Frontallappen = der denkende Bereich).
Das bedeutet gleichzeitig, dass wir unsere Fähigkeit verlieren, bewusst Entscheidungen zu fällen und das Erlebnis bewusst zu verfolgen.
Wir reagieren und agieren automatisch.


Der Hippocampus, ein winziger Teil des limbischen Systems, ist verantwortlich, das nonverbale Ereignis chronologisch zu ordnen und eine Erinnerung daraus entstehen zu lassen.
Allerdings ist der Hippocampus einer der entbehrlichen Teile von unserem Gehirn sowie unseres Körpers, deren Aktivität unterdrückt wird.
Daher kann der Hippocampus bei den schlimmsten Erlebnissen seine Aufgabe, Erinnerungen zu verarbeiten, nicht nachkommen und die Fähigkeit wird beeinträchtigt, aus dem, was passiert ist, einen Sinn abzuleiten.
Nach einem traumatischen Erlebnis besitzen wir oftmals nur einzelne, unzureichende oder bruchstückhafte Erinnerungen, die das Ereignis und wie wir damit fertig geworden sind, nicht genau wiederspiegeln. Die Fähigkeit, sich an Wörter zu erinnern wird eingebüßt, was bleibt, sind körperliche und emotionale Empfindungen.
Traumata werden meist in Form von Emotionen, Körperempfindungen, Veränderung der Herz und Atemfrequenz, z.B. in Form von Anspannung, Versteifung oder auch das Gefühl der Überwältigung, erinnert und ausgedrückt. Das Gehirn erinnert sich an überwältigende Erlebnisse in Form von Empfindungen und Körpererinnerungen. Allerdings werden diese nicht als der Vergangenheit zugehörig empfunden, sondern im Hier und Jetzt!
Gefühle entstehen, die einen überwältigen oder gar „verrückt“ werden lassen - weil es sich nämlich um traumatische Erinnerungen handelt. Dann schalten sich die Frontallappen einfach ab, Gefühle, wie starke Ängste werden z. B. empfunden, und das Verständnis fehlt, woher diese Angst kommt und was sie beinhaltet.
Das Körper- und Nervensystem ist so stark aktiviert, dass man nicht mehr klar denken kann.
Wenn wir erneut getriggert werden, beeinträchtigen die Trigger die kognitiven Fähigkeiten des Gehirns, d.h. Gefühle und Impulse übernehmen die Kontrolle.


Das bedeutet, Körpererinnerungen und Gefühlserinnerungen sind oftmals die einzigen Erinnerungen, die von traumatischen Erlebnissen übrig bleiben. Keine Bilder, keine Worte oder manches / alles ist unklar, bruchstückhaft und nicht vollständig. Genau dies sind unsere Erinnerungen und gleichzeitig unsere Indizien, die auf Traumata zurückzuführen sind.
Aufgrund dessen ist es wichtig, zwischen emotionalen Reaktionen im Hier und Jetzt und Körper und Gefühlserinnerungen zu unterscheiden und somit im Hier zu bleiben und nicht im dort zu sein.
Diese kurze Erklärung soll jedem helfen, die Vorgänge im Gehirn zu verstehen.
In der Therapie wird nach Bedarf und Anliegen mit der Traumaedukation gearbeitet, um somit das Gefühl der Überwältigung, des ausgeliefert sein, besser zu verstehen und umgehen zu können, präsent zu bleiben, Symptome und Emotionen zu stabilisieren, die Frontallappen aktiv zu halten und sich einer Position der Stärke zuzuwenden.